1.4 Wissenschaft und Methode

1.4.1 Definition des Begriffs „Wissenschaft“

Eine einheitliche Definition des Wissenschaftsbegriffs existiert nicht, da sich selbst Wissenschaftstheoretiker aufgrund der vorhandenen Methodenvielfalt und unterschiedlicher Ansichten uneinig sind.

Der Prozess methodisch betriebener Forschung und Lehre als Darstellung der Ergebnisse und Methoden der Forschung mit dem Ziel, fachliches Wissen zu vermitteln und zu wissenschaftlichem Denken zu erziehen. Die Wissenschaft beginnt mit dem Sammeln, Ordnen und Beschreiben ihres Materials. Weitere Schritte sind die Bildung von Hypothesen und Theorien. Sie müssen sich am Material bestätigen (Verifikation) oder bei Widerlegung (Falsifikation) durch neue ersetzt werden. […] Die Wissenschaft ist dem Ziel nach entweder theoretisch (‚reine‘) Wissenschaft oder angewandte (‚praktische‘) Wissenschaft und wird traditionell in Natur- und Geisteswissenschaft geschieden.
(Brockhaus-Entyklopädie)

In einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts heißt es:
Der gemeinsame Oberbegriff „Wissenschaft“ bringt den engen Bezug von Forschung und Lehre zum Ausdruck. Forschung als ‘die geistige Tätigkeit mit dem Ziele, in methodischer, systematischer und nachprüfbarer Weise neue Erkenntnisse zu gewinnen’ (Bundesbericht Forschung III BTDrucks. V/4335 S. 4) bewirkt angesichts immer neuer Fragestellungen den Fortschritt der Wissenschaft; zugleich ist sie die notwendige Voraussetzung, um den Charakter der Lehre als der wissenschaftlich fundierten Übermittlung der durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zu gewährleisten. Andererseits befruchtet das in der Lehre stattfindende wissenschaftliche Gespräch wiederum die Forschungsarbeit.
[…] 
jede wissenschaftliche Tätigkeit, d. h. auf alles, was nach Inhalt und Form als ernsthafter planmäßiger Versuch zur Ermittlung der Wahrheit anzusehen ist. Dies folgt unmittelbar aus der prinzipiellen Unabgeschlossenheit jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis.
(BVerfGE 35, 79 – Hochschul-Urteil)(25)

Erweitert läßt sich daraus ableiten, Wissenschaft ist (vgl. Bettina Beer)(26):

  • Erkenntnis: die Gesamtheit von Wissen und Erkenntnissen in Form von begründeten systematisch geordneten Aussagen
  • Bedingung für Aussagen: um Publikation und Offenlegung von Interessen einer intersubjektive Überprüfbarkeit und Auseinadersetzung unterziehen zu können
  • eine Vorgehensweise: die auf Erkenntniszuwachs gerichtet, nachvollziehbar, objektiv und möglichst genau ist.
  • Gegenstand der wissenschaftliche Gemeinschaft: Mit gemeinsamen Paradigmen und akzeptierten Normen, Regeln und Verfahren
  • ein kultureller Teilbereich: der historisch gewachsene Bereich einer Kultur, der allerdings in seinen Normen und Aussagen zeitabhängig und veränderlich ist

1.4.2 Methode als wissenschaftliche Arbeitstechnik

„Was Wissenschaft von Nichtwissenschaft und Wissenschaftler von Nichtwissenschaftlern unterschiedet, sind keine prinzipiellen Unterschiede, sondern relative. Verlangt wird mehr an Genauigkeit, mehr an Sorgfalt, mehr an Überprüfbarkeit von Aussagen.“ 
(Bettina Beer)(27)

Wissenschaftliches Arbeiten unterscheidet sich vom nichtwissenschaftlichen Arbeiten u.a. durch die Arbeitsmethoden, d.h. durch Planmäßigkeit und Ordnung Dazu steht im Arbeitshandbuch des Dudenverlags:

Was die Wissenschaftlichkeit einer Arbeit ausmacht, ließe sich, grob vereinfacht, etwa folgendermaßen umreißen: Wissenschaftlich arbeiten heißt, einen auch für andere erkennbaren Gegenstand im Hinblick auf eine bestimmte Fragestellung nachvollziehbar zu behandeln, Methoden nachprüfbar anzuwenden, die Quellen offen zu legen, die Erkenntnisse rational zu ordnen und sie öffentlich mitzuteilen. Es gilt, mit methodischem Bewußtsein vorzugehen, sich innerhalb der Arbeit über sein Vorgehen, über seine Entscheidungen, über die verwendeten Begriffe Rechenschaft zu geben und seinen Gedankengang argumentativ darzustellen. Es geht bei einer wissenschaftlichen Arbeit nicht nur darum, Daten und Fakten zusammenzutragen, sondern zu versuchen, zwischen diesen Daten und Fakten Zusammenhänge herzustellen.
(DUDEN, Die schriftliche Arbeit)(28)

Weis / Steinmetz unterscheiden zwischen:

  • naiver Beobachtung: unsystematisch, planlos, ohne klare Definitionen, zufällig, eingreifend (…)
  • wissenschaftlicher Beobachtung: Genau umschriebener Untersuchungsbereich, planmäßiges Vorgehen, genau definiertes Erkenntnisziel, sinnlich direkt wahrnehmbare Objekte bzw. Ereignisse als Gegenstand, rezeptive Haltungen des Beobachters (nicht teilnehmend), systematische Registrierung (z.B. mittels technischer Geräte) etc.
    (vgl. Bernd Jahnke, 2006)(29)

Der Punkt des Quellennachweises ist ein wesentliches Erkennungsmerkmal für wissenschaftliche Arbeiten:

sie müssen intersubjektiv (also durch andere) überprüfbar sein. (…) Überprüfbarkeit wird dadurch erreicht, dass Aussagen (Behauptungen, Feststellungen, Urteile) „belegt“ werden, da also „Belege“, „Nachweise“ gegeben werden, dass „Quellenangaben“ oder bibliographische Angaben“ gemacht werden, mit deren Hilfe man Quellen für eine Aussage auffinden kann.
(Bettina Beer)(30)

Unter „Methode“ versteht man in diesem Zusammenhang ein durchdachtes Vorgehen, bei dem mit bestimmten Mitteln bestimmte Ziele erreicht werden sollen. Auf die Wissenschaft bezogen ist die Methode das System, oder die Verfahrensweise nach der die Denkprozesse ablaufen, und die daraus resultierenden Handlungen ausgeführt werden. Die Vorgehens- und Verfahrensweisen (Methoden) sind den jeweiligen wissenschaftlichen Disziplinen angepaßt. Sie können hinsichtlich der Nachvollziehbarkeit und Genauigkeit ihres Ergebnisses sehr unterschiedlich sein.

Zusammengefaßt bezieht sich methodisches Vorgehen in der Wissenschaft immer auf einen komplexen Prozeß der zielgerichtet ist, systematisch und methodisch abläuft, und folgerichtige Zusammenhänge erstellt.

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