2.2 Design: Kunst oder Wissenschaft?

Da Design mit Kreativität, Erfindergeist und Innovation verbunden wird, wird es oft in direkten Bezug zur Kunst gesetzt. Das ist Falsch. Zwar steht inzwischen so manches Designstück im Museum, vielleicht auch in einem Kunstmuseum, doch war dies sicherlich nicht die ursprüngliche Absicht.

„Kunst und Design sind grundsätzlich unterschiedliche Diskurswelten. Ersteres zielt auf individuelle Selbstverwirklichung, letzteres auf gesellschaftliche Problemlösung.“
(Gui Bonsiepe, 2002)(42)

Im Gegensatz zur Kunst ist Design also nicht frei in seiner Entfaltung und sollte nicht selbstbezogen sein. Es entspringt einer Aufgabe und ist ursprünglich an deren Erfüllung gebunden, die wiederum einem bewußten Entscheidungsprozesses unterliegt. Daher muß begriffen werden,
„daß es beispielsweise kein nichtdesigntes Handy gibt.“ 
Und folglich
„Begriffe wie «Design-Handy» oder «Design-Laptop» sind deshalb in etwa so intelligent wie «Architektur-Haus» oder « Literatur-Buch».“ 
(Markus Frenzl, 2006)(43)

Versucht man den Designbegriff einer der beiden Sparten Wissenschaft oder Kunst zuzuordnen, stellt man fest, daß eine eindeutige Zuordnung schwer möglich ist.

So hat Wissenschaft die exakte Vorhersage oder Beschreibung von existierenden Phänomenen zum Ziel. Diesen Phänomenen tritt sie mit Skepsis und Zweifel entgegen und versucht, mittels Experimenten, zuvor aufgestellte Hypothesen zu be- oder zu widerlegen.

„Dubium sapientiae initium. (Zweifel ist der Weisheit Anfang)“
(Rene Descartes)(44)

Der Künstler ist in der Gegenwart verwurzelt und versucht durch meist impulsiv motiviertes Manipulieren oder Zusammentragen von existierenden Dingen Neues zu erschaffen, um aus einer Fülle von Ausdrucksformen diejenige auszuwählen, die ihn befriedigt und mit der er kommunizieren möchte.

Beide Sparten weisen sowohl Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede zum Design auf. Design ist eine Disziplin, die die Kunst und die Wissenschaft vereinigen kann. Im Idealfall geht das Resultat über das hinaus, was eine der beiden Disziplinen einzeln hätte leisten können. (vgl. Thomas C. Mitchell, 1992)(45).
Der Designer muß sich, ähnlich dem Wissenschaftler, erst mit der Gegenwart beschäftigen, um daraus etwas zukunftsorientiertes Neues zu erschaffen. Er sollte sich aber vom wissenschaftlichen Zweifel nicht zu sehr in seinem innovativen Wesen beeindrucken lassen. Die künstlerische Begabung kommt dem Designer zu gute, wenn er sich aufgrund der Komplexität seiner Aufgaben schnell durch eine Vielzahl von Möglichkeiten arbeiten muß (vgl. dazu J. C. Jones)(46).

Dieser erweiterte Aufgabenbereich, der der Designdisziplin nun zufällt, ist die Voraussetzung für ein weniger restriktives Designverständnis und somit Basis für den erweiterten Designbegriff.

 

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