2.3 Der erweiterte Designbegriff

Das im angelsächsischen Sprachraum, insbesondere in den USA, weit weniger restriktive Verständnis des Designbegriffs und seiner Tätigkeitsfelder wird im folgenden Absatz genauer ausgeführt.

John. C. Jones führt in seinem Buch „designmethods“ im Kapitel „what is designing(47)“ einige Definitionen von Kollegen seiner Zeit auf, aus denen die Bandbreite der Disziplin und die Loslösung des „designs by drawing“ hervorgeht(48):

„finding the right physical components of a physical structure“ 
(Christopher Alexander, 1963)(49)

„a goal-directed problem-solving activity“

(L. Bruce Archer, 1965)(50)

„Decision making, in the face of uncertainty, with high penalties for error“

(M. Asimow, 1962)(51)

„Simulating what we want to make (or do) before we make (or do) it as many times as may necessary to feel confident in the final result“ 

(P.J. Booker, 1964)(52)

„The conditioning factor for those parts of the product, which come into contact with people“ 
(Michael Farr, 1966)(53)

„Engineering design is the use of scientific principles, technical information and imagination in the definition of a mechanical structure, machine or system to perform prespecified functions with the maximum economy and efficiency“ 
(G.B.R. Fielden, 1966)(54)

„The performing of a very complicated act of faith“
(John C. Jones, 1966)(55)

„A creative – it involves bringing into being something new and useful that has not existed previously“
(J.B. Reswick, 1965)(56)

Im Folgenden definiert Jones, aufgrund der Feststellung, daß sich keine der oben erwähnten Aussagen auf den „output“, sondern auf die „ingridients“ bezog; eine eigene„ultimative“ Definition des Designbegriffs:
„Designing as the initiation of chance in man-made-things.“ 
(John C. Jones, 1970)(57)

Dabei geht für ihn ein interdisziplinärer Charakterzug des Designs einher, welcher sich auf Vertreter anderer an der Erschaffung von „man-made-things“ beteiligten Disziplinen wie Ingenieurwesen, Architektur, Volkswirtschaft, Management, Publizistik usw. ausdehnt. Zugleich wird damit die Sonderstellung des Designers aufgehoben. Der Designer ist nun nicht mehr der einzige kreative Part, sondern den, bisher eher als unkreativ eingestuften, Teilnehmern eines Prozesses gleichgestellt, wodurch er gezwungen ist, sich in deren Methoden auszukennen und auf deren Ebene zu kommunizieren.

Dies bedeutet für das Design eine wachsende Komplexität und vor allem mehr wichtige Kompetenzfelder. Diese Definition impliziert eine Verschiebung – nicht mehr der visuelle Output oder das gestaltete Artefakt steht im Mittelpunkt der Betrachtung – sondern der vorausgehende Schaffungsakt als umfassendes Ganzes.

Im Vorwort zur zweiten Edition (1992) des bereits erwähnten Designmethodenklassikers (J.C. Jones, designmethods), äußert sich C. Thomas Mitchell (Massachusetts Institute of Technology, MIT) im Vorwort über sein Designverständnis. Aufgrund von einschneidenden Veränderungen sieht er neben den klassischen Designansätzen (Design als eine Form der Zeichnung oder der Formgebung) folgende neue Aufgaben:

  • designing as the process of devising, not individual products but whole systems or environments such as airports, transportation, hypermarkets, educational curricula, broadcasting schedules, welfare schemes, banking systems, computer networks;
  • design as particapation, the involvement of the public in the decision-making process;
  • design as creativity, which is supposed to be potentially present in everyone;
  • design as an educational discipline, that unites arts and sciences and perhaps can go further than either
  • the idea of designing without a product, as a process or way of living itself

(C.Thomas Mitchell, 1992)(58)

Patrick Whitney, Direktor am Institute of Design am Illinois Institute of Technology (IIT) sieht die Hauptaufgabe des Designs von heute darin, mittels Prozesse, Wissen bzw. Erkenntnis zu generieren, und daraus wiederum Innovationen in vielen Gebieten zu schaffen.

„The knowledge we focus on is not so much about a particular industry, sector or type of problem, but knowledge on the processes of creating innovations.“ 

(Patrick Whitney, 2004)(59)

Diese aktuelle Aussage von Whitney kann meiner Meinung nach als konsequente Fortsetzungen des erweiterten Designbegriffs verstanden werden, den John C. Jones bereits 1970 mit folgender Behauptung vorbereitete:

„All one can say with certainy ist that society, or the world, is not the same as it was before the new design appeared.“
(John C. Jones, 1970)(60)

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